Thomas Hecken: Pop. Geschichte eines Konzepts 1955 - 2009
Thomas Hecken: Pop. Geschichte eines Konzepts 1955 - 2009. transcript (Bielefeld) 2009. 563 Seiten. ISBN 978-3-89942-982-4. 35,80 EUR, CH: 61,00 sFr.
Reihe: Kultur- und Medientheorie.
Thema
„Pop“ ist sicherlich einer der am häufigsten verwendeten und prägendsten Begriffe der Kultur des 20. Jahrhunderts. Assoziiert werden spontan Pop Musik, Pop Art, die Beatles, Roy Lichtenstein und Andy Warhol, und diese Reihe könnte beliebig lange fortgesetzt werden. Versuche den Begriff „Pop“ über diese singulären Beispiele hinaus zu definieren und zu konkretisieren, gestalten sich schwierig und enden oft im ungenauen fabulieren. Angesichts dieser Ausgangslage ist es zunächst sehr zu begrüßen, dass mit der vorliegenden Veröffentlichung ein wirklich umfassendes Buch zum Begriff „Pop“ vorliegt.
Autor
Thomas Hecken (Dr. phil. habil.) ist Privatdozent für Deutsche Philologie an der Ruhr-Universität Bochum. Es liegen zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Populäre Kultur vor, zuletzt: »Populäre Kultur. Mit einem Anhang „Girl und Popkultur“« (Bochum 2006); »Gegenkultur und Avantgarde 1950-1970. Situationisten, Beatniks, 68er« (Tübingen 2006).
Aufbau und Inhalt
Thomas Hecken macht in insgesamt neun ausführlichen Kapiteln den Versuch, die Prozesse und Veränderungen, die zur Begriffsbildung des „Konzepts Pop“ führten, zu analysieren und zu beschreiben.
Der Autor beginnt seine ausführliche Suche nach dem Begriff des Populären bei den Klassikern Goethe und Schiller. Hier finden wir die Anfänge der Beschäftigung mit Volkskultur und dem Gegensatz von hoher und niedriger Kunst. Ausschlaggebend für diese ersten Betrachtungen war der Beginn der Alphabetisierung im Kontext der Aufklärung, der zumindest theoretisch nahezu der gesamten Bevölkerung den Zugang zur Kultur in Form von Druckwerken möglich machte. Schon in den frühen Diskursen über das Populäre finden sich zwei zentrale Positionen, die sich durch die gesamte dann folgende Diskussion um den Begriff „Pop“ ziehen sollten:
- Wie ist die ästhetische Position in den jeweiligen Epochen
konkretisiert an der Frage nach dem
- Verhältnis von Form und Inhalt.
Vereinfacht gesagt geht es immer wieder um die Frage ob die „wahre Kunst vom Leben getrennt“ sein solle (vgl. S. 23) oder die Kunst das Triviale, den Pöbel und das einfach Zugängliche widerspiegeln darf und soll.
Äußerst akribisch und kenntnisreich zeigt der Autor in den folgenden Kapiteln die Veränderung der Begriffe „volkstümlich“ und „populär“ in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten auf.
Der Begriff “ Pop Art“ wird zum ersten Mal im Zusammenhang mit bildender Kunst von der „Independent Group“ 1957 benutzt für „aktuelle Produkte und Rezeptionsweisen der Massenmedien und Konsumgüterindustrie“ ( S. 63). Erst wesentlich später taucht dann 1963 der Begriff „Pop“ in Zusammenhang mit Musik auf und zwar als Beschreibung für die im deutschsprachigen Bereich noch „Beatmusik“ genannten ersten Veröffentlichungen der Beatles und der Rolling Stones.
Als sich in den siebziger Jahren die Bandlandschaft wesentlich differenzierter zeigte, löst der Begriff „Rock“ seinem Bedeutungsinhalt nach den Pop-Begriff ab, der von da an eher für weniger Innovative am Mainstream orientierte Musik stand.
Erst in der Postmoderne verliert der Begriff „Pop“ als „New Pop“ und „New Pop Art“ seine Mainstream Konnotation und bezeichnet vor allem im Bereich der bildenden Kunst innovative Strömungen, die sich durchaus angesichts einer völlig veränderten Ästhetik der Sprache der Massenkommunikationsmittel bedienen.
Zielgruppe
Diese Veröffentlichung ist letztendlich in ihrer Akribie und Genauigkeit einem Personenkreis vorbehalten, der erhebliche Kenntnisse des kulturwissenschaftlichen Diskurses der letzten dreißig Jahre besitzt. Das Verständnis des Textes setzt definitiv die Kenntnis der Begrifflichkeiten der kritischen Theorie und des gesamten Bereichs der cultural studies voraus. Insofern ist dieses Buch Fachliteratur für Leser, die sich ganz spezifisch für die Wandlung des „Pop Konzepts“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessieren.
Fazit
Dieses Buch ist kein Handbuch und erst recht keine Unterhaltungslektüre sondern eine perfekte, hervorragend recherchierte und bestens formulierte kulturgeschichtliche Zeitreise. Nichts für Einsteiger sondern für Fortgeschrittene.
Rezensent
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Hubert Minkenberg. Rezension vom 29.12.2011 zu: Thomas Hecken: Pop. Geschichte eines Konzepts 1955 - 2009. transcript (Bielefeld) 2009. 563 Seiten. ISBN 978-3-89942-982-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8658.php, Datum des Zugriffs 20.05.2012.
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